Obama besuchte die Hannover Messe: eine Mission für Europa

Nicht nur um Hannover-Messe und TTIP geht es US Präsident Obama bei seiner Visite Mit der Verbündeten Merkel will er daran arbeiten, dass das formschwache Europa weltpolitisch auf die Beine kommt.

 

Es ist alles bestens vorbereitet. Am barocken Schloss Herrenhausen, in dessen Gärten Narzissen und Stiefmütterchen miteinander um die Wette blühen. In Isernhagen-Süd, wo Barack Obama, wie erwartet, im idyllisch gelegenen Seefugium Quartier bezogen hat. Am Kongresszentrum gleich neben dem Zoo von Hannover, wo der US-Präsident am Abend offiziell die Hannover Messe eröffnet.

 

Und natürlich auch am Flughafen Langenhagen, wo die Mitarbeiter des Secret Service den Präsidenten Cadillac von jedem einzelnen Staubkörnchen befreien. 

Aber es nützt am Ende alles nichts. Pünktlich um 12.41 Uhr, als die Air Force One auf der nördlichen Landesbahn des Flughafen aufsetzt, begrüßt ein fieser niedersächsischer Graupelschauer den Präsidenten.

 

Obama, im dunklen Wollmantel, eilt locker, lässig, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt die Gangway hinab. Ohne Ehefrau Michelle, die zurück in die USA geflogen ist.

Kurzer Händedruck hier, sehr kurzer Smalltalk da. Einsteigen, und weg ist er, unterwegs in Richtung seiner Unterkunft am nahe gelegenen Kleinen Insernhagener See. Zurück bleibt, vorerst zumindest, Stephan Weil SPD, Niedersachsens Ministerpräsident, der Obama in Deutschland begrüßt hat. Er habe sich, gibt Weil kurz darauf zu Protokoll, bei ihm für das schlechte Wetter entschuldigt.

 

Nun ja, was soll man auch machen, wenn die Tiefdruckgebiete Theres I Theres II und Uta sich ausgerechnet an diesem Wochenende über die niedersächsische Tiefebene her machen. Da kann man die Gullydeckel in der Landeshauptstadt noch so fest verschließen, gegen die noch höheren Mächte kann selbst ein US Präsident nichts ausrichten. Aber Obama ist ja auch nicht auch nicht wegen des besonders guten Wetters nach Niedersachsen gekommen.

 

Stattdessen, das war jedenfalls der erste offizielle Anlass seines Besuchs, wollte Obama am Sonntagabend die Industriemesse eröffnen, deren Partnerland die USA in diesem Jahr sind. Die Vereinigten Staaten, viele Unternehmen in den Vereinigten Staaten sind an der globalen Vernetzung ihrer Fabriken brennend interessiert. Industrie 4.0, wie es im Wirtschaftschinesisch so schön heißt, ist das Top Thema in Hannover, auch für die Googles und Microsofts dieser Welt von erheblichen Stellenwert. Weshalb Obama mit seiner Zusage, ausgerechnet ins sonst eher etwas provinzielle Hannover zu reisen, gar nicht so lange gezögert hat.

 

Ein kleiner G-5-Gipfel in Hannover, Zweitens, angesichts der allgemeinen Welt-Lage noch deutlich wichtiger, liegt Obama offensichtlich einiges daran, dass das zuletzt formschwache Europa weltpolitisch wieder auf die Beine kommt. Er hat das schon am Vortag in London durchblicken lassen, wo er sich gegen den Brexit positioniert hat.

 

Und er will auch in Hannover darauf dringen, dass Europa beieinander bleibt. In Kanzlerin Angela Merkel CDU, seiner Gastgeberin hier, hat er dabei eine verlässliche Verbündete. 

 

Am Montagnachmittag treffen die beiden in Herrenhausen dann auch noch auf die Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien und Italien: ein kleiner, informeller G-5-Gipfel, der ganz zum Schluss der Besuchsplanungen noch eingeschoben worden ist.

 

Obamas Cadillac fährt in Schloss Herrenhausen vor, wo nicht nur die Kanzlerin den Präsidenten begrüßt, sondern auch ein erster echter hannoverscher Sonnenstrahl und das Wachbataillon der Bundeswehr. Nationalhymnen. Militärische Ehren. Kurzes Winken für die Kameras, Aber dann sind Merkel und Obama auch schon wieder zurück auf dem Weg ins Schloss. Sie wollen hier unter anderem, wie sie das Freihandelsabkommen TTIP trotz einer auf beiden Seiten des Atlantiks vorhandenen Skepsis möglichst noch während der letzten Amtsmonate des Präsidenten unter Dach und Fach bringen können. Das Wetter in Hannover, immerhin, hat zumindest für diesen Moment gehalten.

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