Bundespräsident Frank Walter Steinmeier auf dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017

 

Foto: Julian Ovidiu Foto: Julian Ovidiu

 

Mit Blick auf Soziale Medien und das Internet sagte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier Artikelbild auf dem Evangelischen Kirchentag. Zwar verschaffe das Internet Zugang zu einer nie gekannten Fülle von Informationen. Dieser Dauerregen an Informationen dürfe aber nicht mit Wissen und Weisheit verwechselt werden. Eine Tendenz zu Häme, Hass und Härte in vielen Online Foren werde an der Gesellschaft nicht spurlos vorübergehen.

 

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Zu Alarmismus bestehe dennoch kein Anlass, betonte der Bundespräsident. Notwendig sei allerdings, wieder verstärkt für das Erbe der Reformation und der Aufklärung mit Haltung und Überzeugung einzutreten. Als Grund nannte Steinmeier eine zunehmend aggressive Aversion gegen Fakten und gleichzeitig eine zunehmende Sehnsucht nach Sündenböcken. Inzwischen werde Politik auch mit der Angst der Menschen gemacht, statt auf ihre Hoffnung und auf ihren Gestaltungswillen zu setzen.

 

Am heutigen Samstag wird der Evangelische Kirchentag von Berlin nach Wittenberg verlagert. Die Bundeswehr war dabei, die gut 100 Meter lange Pontonbrücke über die Elbe vorzubereiten, über die am Sonntag Zehntausende Besucher auf das rund 40 Hektar große Gelände zum Abschlussgottesdienst kommen sollen. Auch am Abend werden auf den Elbwiesen Tausende Besucher zu einer Nacht der Lichter mit Musik, Gebeten und Kerzen erwartet. Einige verbringen dann die Nacht unter freiem Himmel.

 

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In Zeiten alternativer Fakten leidet die Vernunft. Für Bundespräsident Steinmeier gibt es dafür vor allem einen Schuldigen.

 

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat am Samstag auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin davor gewarnt, die Vernunft aufzugeben. Dass gerade ein grassierender Verlust von Vernunft festzustellen sei, hält er für bedrohlich, Der Anfang der Zersetzung der Vernunft ist der Anfang der Zersetzung der Demokratie.

 

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Zum einen sei dafür die Globalisierung verantwortlich, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sei nicht nur neuer Wohlstand geschaffen, sondern auch die Ungleichheit dramatisch vergrößert worden. Vor allem machte Steinmeier aber das Internet und die sozialen Medien für den Niedergang der Vernunft verantwortlich. Durch die digitale Revolution sei ein weltweiter Synchronisierungsdruck entstanden. Es sei nicht verwunderlich, dass einen jungen Mann nichts mehr im Niger halte, wenn er über sein Smartphone täglich die Unterschiede zwischen seinem Leben und dem von Kim Kardashian verfolge sagte Steinmeier, Alternative Fakten dürfen nicht zur Methode werden.

 

Zwar habe das Internet auch viele positive Seiten, zum Beispiel im Zuge des Arabischen Frühlings, als die Tunesier es geschafft hätten, den Diktator Ben Ali abzusetzen. In demokratischen Gesellschaften hingegen stellte Steinmeier eine eher negative Wirkung sozialer Medien fest. Die Informationsflut, der Dauerregen an Nachrichten im Netz, trügen wenig zum Erkenntnisgewinn oder gar zur Weisheit bei. Das Gegenteil sei der Fall. An Hass und Häme in Onlinekommentaren werde unsere Gesellschaft nicht spurlos vorbeigehen.

 

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Scharf kritisierte der Bundespräsident die Verwendung so genannter alternativer Fakten, also bewusste Wahrheitsverdrehungen in der politischen Kommunikation. Wenn das zur Methode wird, dann steckt darin tatsächlich eine existenzielle Gefahr für unser politisches Gemeinwesen.

 

Steinmeier plädierte stattdessen dafür, den Gesprächspartner mit Argumenten zu überzeugen mit der Grundvoraussetzung, dass auch der andere Recht haben könnte, die Frage sei nicht, ob die Vernunft denn noch zu retten sei, sondern, wass anderes soll uns denn retten als die Vernunft?

 

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