Am Sendlinger Tor: Mehr als 600 Polizisten räumen das Flüchtlingscamp

Man habe angesichts der sinkenden Temperaturen handeln müssen, um die Gesundheit der Teilnehmer zu schützen, sagt die Polizei. Auch hatten die Demonstranten angekündigt, von Samstag an nichts mehr trinken zu wollen die Polizei hat den Platz mit 600 Beamten eingekesselt.

Foto: Julian Ovidiu
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Mindestens sechs Demonstranten sind auf Bäume geklettert, die Münchner Polizei räumt das Protestcamp der hungerstreikenden Flüchtlingen am Sendlinger Tor. 600 Einsatzkräfte sind vor Ort, die Polizei kesselt den Platz ein. Ein Vertreter des Kreisverwaltungsreferats liest den Auflösungsbescheid auf Deutsch und Englisch vor, anschließend haben die Demonstranten Zeit, den Platz zu räumen. Jeder könne das Gelände verlassen, sagt ein Polizeisprecher. Die Behörden hätten handeln müssen, um die Gesundheit der Teilnehmer zu schützen, auch angesichts der sinkenden Temperaturen und der Ankündigung, den Hungerstreik auszuweiten.

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Es wird aber umgehend klar, dass die Flüchtlinge nicht einfach so abziehen. Demonstranten bilden eine Menschenkette um einen Baum am Sendlinger Tor, mindestens sechs von ihnen steigen auf den Baum, Der Streik geht auf dem Bäumen weiter skandieren sie, sagt es alle laut, dass Flüchtlinge willkommen sind!" Passanten liefern sich heftige Wortgefechte auf der Straße vor dem Baum. Polizisten versuchen zu schlichten. Die Sicherheitskräfte riegeln den Zugang zur Straßenbahn ab, der Trambahnbetrieb wird eingestellt. An der Lindwurmstraße stehen etwa 15 Krankenwägen parat.

 

Seit fünf Tagen verweigern rund 90 Demonstranten am Sendlinger das Essen, sie fordern ein Bleiberecht für alle. Bis Freitagmittag wurden bereits 15 Teilnehmer ins Krankenhaus eingeliefert. Die übrigen Flüchtlingen hatten außerdem angekündigt, von Samstag an auch nicht mehr trinken zu wollen.

Am Freitag sah man immer wieder weggetretene Demonstranten, die apathisch am Boden lagen. Die Rettungssanitäter kamen mit der Behandlung oft nicht hinterher obwohl phasenweise bis zu drei Krankenwagen am Trambahnrondell parkten. Die Flüchtlinge geben den hiesigen Politikern die Schuld für die Eskalation: Sie hätten beharrlich jeden Dialog verweigert, und zwar seit zweieinhalb Monaten. Solange geht der aktuelle Protest am Sendlinger Tor mittlerweile.

 

Bereits vor zwei Jahren hatte die Polizei schon einmal ein Protestlager am Sendlinger Tor gewaltsam geräumt. Auch damals waren einige Flüchtlinge auf Bäume geklettert.

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© AgenturppF und Julian Ovidiu

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